KONZEPTE


Neue Akusmatik ist eine kritisch-spielerische Musik, die durch Dekontextualisierung alltäglicher Klangwirklichkeit und Ästhetisierung von gewöhnlich als fehlerhaft erachteter akustischer Phänomene Hörgewohnheiten bricht, kritisch hinterfragt und zum unbefangenen, aktiven Perzipieren ermutigt. Ganz im Gegensatz zu traditionellen Kompositionsformen nutzt Neue Akusmatik dabei jedoch neue und neuste Errungenschaften der Tontechnik, in Reihe derer vielleicht zuvorderst der Sampler zu nennen wäre, mittels dessen akustische Realitätsschnipsel musikalisch nutzbar gemacht werden. Obwohl oder gerade weil viele dieser zeitgenössischen Klangformungs-Werkzeuge dem ambitionierten Hörer bereits aus dem Feld der elektronisch produzierten Tanzmusik geläufig sein mögen, hebt sich Neue Akusmatik nicht zuletzt durch die oben bereits beschriebenen musikalisch - grammatikalischen Prinzipien deutlich von der alltäglichen, selbst-affirmativen, massenmedienfixierten Berieselungspraxis ab.

"Allein derjenige, der sich an kein Muster mehr klammert, der es wagt, frei zu erleben [...] - allein der kann nicht mehr enttäuscht werden."

Neben den publizierten Texten gewähren auch das Manifest und die labeleigene monatliche Radiosendung Sondersendung: Uneindeutige tonale Situationen tiefere Einblicke in die hier zu Grunde liegenden Prinzipien.


MANIFEST II, 21. Juli 2005

Wir verweigern das Bad im Kitsch, die emotionale Manipulation durch die Magie der Dreiklänge.
Neue Akusmatik ist narrativ, prosaisch.
Narrativ im Sinne von narrativer Photographie, die den Moment, den Ausschnitt einer Handlung darstellt, die sich letztlich ausschliesslich in unserem Kopf abspielt.
Wichtig ist, was man nicht hört.
Neue Akusmatik ist permanentes Präsens, nicht zielgerichtetes Programm.
Neue Akusmatik entwirft kein semiotisches System, es bedient sich der Semiotik des Alltags.
Neue Akusmatik würdigt nichts und alles zum Material herab.
Enigmatik ist Ursache, nicht Inhalt:
Neue Akusmatik ist Klarheit im Meer der Unklarheit.
Neue Akusmatik egalisiert das Gefälle zwischen Produktions- und Rezeptionsästhetik.
Der Komponist komponiert Klang, nicht Noten, hört im Moment der Komposition bereits die Komposition, wie sie dem Perzipienten zu Ohren kommen wird. Direkt, unmittelbar, uninterpretiert: unverfälscht.
Neue Akusmatik ist nicht reproduzierbar. Genau in dieser Singularität liegt aber auch ihre Präzision, ihre kommunikative Qualität.
Neue Akusmatik ist absolute Musik, keine visuelle Darstellung lässt eine relative Übertragung auf Instrumente/Klangerzeuger zu.
Neue Akusmatik interessiert sich nicht für das "Wie", die Technik, sondern für das "Was", die Aussage.
Eine freie Musik ist eine Musik, die sie selbst ist.
Neue Akusmatik ist informelle Musik im eigentlichen Sinn.
Neue Akusmatik ist nicht Kulturträger sondern dessen Sprengstoff.
Neue Akusmatik zelebriert die Extraktion struktureller Tradition aus dem musikalischen "Satz".
Neue Akusmatik ist die Befreiung der (musikalischen) Sprache aus ihrem Gefängnis der Semantik.
Neue Akusmatik sieht die Tradition nicht als Feind, sondern als Füllhorn, aus dem es sich zu bedienen gilt.
Neue Akusmatik ist Grenzüberschreitung unter Ausschluss des Grundsatzes "anything goes".
Neue Akusmatik ist der Spott über die strukturelle Integrität.
Neue Akusmatik fordert vom Perzipienten die Fähigkeit, im Moment zuhören zu können.
Furcht vor Eingängigkeit und die Pflege der Sperrigkeit gehören zum polemischen Charakter der Neuen Akusmatik.

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Schoenermusic ist ein Internet-basiertes Komponisten-Netzwerk, das 1999 mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, die Arbeiten einiger deutschlandweit agierender Künstler, die eine gemeinsame Künstlerphilosophie vereint, zu publizieren.

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